Vorwindkurs

Das Prinzip des Vorwindkurses ist es, die größtmögliche Angriffsfläche für den Wind zu liefern und mit dem Wind zu fahren. Dadurch entsteht ein Staudruck im Segel und das Boot wird vorwärts geschoben. Dies steht im Gegensatz zu der normalen Funktionsweise eines Segels, was du intensiver in dem Artikel ‚Segeln, wie geht das?‘ nachlesen kannst.

Meistens wird der Vorwindkurs mit direkt 180° weg vom Wind bezeichnet. Das heißt, dass dein Boot den Wind mehr oder weniger direkt achterlich (im Rücken) hat und dein Boot auf kürzestem Weg nach Lee (weg vom Wind) unterwegs ist. Obwohl die größtmögliche Segelfläche ausgenutzt wird, bewegst du dich allerdings nur langsam voran.

Eine Übersicht über alle Kurse zum Wind findest du in diesem Artikel.

Vorwindkurs mit killender Fock
Kurse für Vorwindkurs

Wie komme ich auf Vorwindkurs

Von Am Wind Kurs, Halbwindkurs, Raumwindkurs

  • Abfallen
  • d.h. an der Pinne ziehen
  • Segel fieren
  • Schwert dreiviertel (3/4) anheben
  • Kommando: „Fier auf die Schoten auf Vorwindkurs“ – wenn auf Kurs: „Vorwindkurs liegt an“

Merke: Hast du deinen neuen Kurs erreicht, musst du die Pinnen wieder in die Mitte stellen und einen Punkt voraus anpeilen, sonst dreht dein Boot immer weiter.

Segelstellung auf Vorwindkurs

Auf dem Vorwindkurs sind deine Segel maximal offen. Auf den meisten Booten ist das 90° oder etwas weniger, da das Fieren (Öffnen der Segel) durch die Wanten (Drähte an der Seite, die den Mast halten) eingeschränkt ist.

Boote die keine Wanten haben, z.B. die olympische Laser Klasse (ein kleines Ein-Personen-Boot mit nur einem Segel) können das Großsegel auch weiter als 90° fieren.

Mit Großsegel und Vorsegel (z.B. Fock) könnte man sich die Segelstellung folgendermaßen vorstellen:

Segeln - Wie geht das? Vorwindkurs
Wind triff auf die Segel und schiebt das Boot aufgrund des Widerstandes nach vorne.

Realistisch wirst du mit hoher Wahrscheinlichkeit feststellen, dass deine Fock nicht mehr ordenlich steht und nicht wie ein vernünftiges Segel aussieht. Die Fock killt und wackelt nur noch gemütlich vor sich hin. Das sieht in etwa so aus.

Vorwind mit killender Fock

Die Ursache darin liegt beim Großsegel, dass den gesamten Wind abblockt und die Fock in den Windschatten stellt.

Du hast 2 Möglichkeit: Fiere (Segel rauslassen) die Fock ein ganzes Stück heraus und lass diese fliegen oder ziehe sie nach Luv und fahre Schmetterling.

Merke: Falls deine Fock, aufgrund der Abdeckung durch das Großsegel nicht genug Wind bekommt, dann darfst du sie trotzdem nicht immer weiter dichtholen. Lass sie flattern oder segel Schmetterling. Eine „normale“ Segelform wirst du nicht erreichen ohne die Fock zu dicht zu haben.
Eine zu dichte Fock bremst dein Boot nämlich, auch auf Vorwindkurs.

Segeln im Schmetterling

Vorwindkurs segeln im Schmetterling

Wie oben erwähnt ist die Alternative zu einer flatternden Fock das Segeln im Schmetterling. Im Englischen wird das übrigens goosewinging bezeichnet. Das heißt, dass das Großsegel auf einer Seite ist und das Vorsegel auf der anderen.

Wenn man platt vor dem Wind unterwegs ist dann spielt es keine Rolle, auf welcher Seite welches Segel ist. Wenn du nicht direkt 180° vor dem Wind segelst, dann steht das Großsegel immer in Lee (windabgewandte Seite) und das Vorsegel in Luv (windzugewandte Seite).

Direkt vor dem Wind segeln hat seine Tücken. Deswegen empfehle ich dir lieber ein paar Grad höher Richtung Wind zu segeln – also mehr Richtung Raumwind. Dadurch verbessert sich das Segelverhalten und die Gefahr einer Patenthalse (siehe weiter unten) wird verringert.

Sitzposition

Bei Leichtwind:

  • Steuermann in Luv soweit vorne wie möglich (mindestens bis zum Großschotblock)
  • Vorschoter in Lee und ganz nach vorne, manchmal sieht man Vorschoter vor dem Mast sitzen, bei Schmetterling hält Vorschoter die Fock auf
  • Gewicht beider Segler so weit wie möglich nach vorne, um den Spiegel (das Ende vom Boot) aus dem Wasser zu bekommen und Widerstand zu vermeiden

Bei mittlerem Wind:

  • Steuermann in Luv
  • Vorschoter in Luv
  • Gewicht mittig, bzw. sodass hinter dem Boot keine Blasen entstehen

Bei Starkwind:

  • Steuermann in Luv
  • Vorschoter in Luv, ggf. in Lee, um das Rollen / Geigen auszubalancieren
  • Gewicht weiter hinten, um das Einstecken des Bugs in die Wellen zu verhindern
  • Vorwindkurs ist bei Starkwind wegen Kentergefahr keine gute Option

Segelverhalten

Segeln auf Vorwindkurs ist nicht immer angenehm. Bei einem leichten Lüftchen ist das Wasser meistens flach und ruhig, da spielt es keine Rolle, ob man Vorwind segelt oder nicht.

Die Steuerung platt vor dem Wind hört sich einfach an, ist aber gar nicht so einfach. Kleinste Steuerfehler, ein Windreher oder eine schiebende Welle von hinten können bewirken, dass der Wind schlagartig von der anderen Seite des Segels kommt. Das Segel schwingt über und wir nennen das dann eine Patenthalse (siehe unten).

Bei mehr Wind und Welle kommt dein Boot ebenso in Bewegung. Gerne spricht man dabei auch von einem „geigendem“ Boot. Es wird durch die Wellen hin und her geworfen und verursacht Seekrankheit bzw. auf kleinen Jollen kommt es schneller zu Kenterungen und Patenthalsen.

Da sich Fahrtwind und wahrer Wind aufheben, fühlt es sich so an, als ob nur wenig bis gar kein Wind weht. Dies wird im folgenden Bild dargestellt und detaillierter im Artikel zum Scheinbaren Wind beschrieben.

Scheinbarer Wind Vorwindkurs Vektoren darstellung

Die Halse

Wie bereits erwähnt können sich die Segel auf reinem Vorwindkurs entweder auf Backbord (links) oder Steuerbord (rechts) befinden.

Irgendwann kommt jedoch der Zeitpunkt den Kurs, also die Richtung, deines Bootes zu verändern. Dabei kommt es darauf an, wie du dein Boot steuerst. Ggf. müssen deine Segel auf die andere Seite gebracht werden.

Vorausgesetzt du sitzt in Luv (windzugewandten Seite, gegenüber vom Großsegel), bedeutet Pinne wegdrücken: du luvst an (du segelst näher an den Wind heran). Das ist eine reine Kursveränderung auf Raumwind, Halbwind oder Am Wind.

Deine Segel bleiben auf der gleichen Seite. Du musst diese nun dichternehmen (an der Schot ziehen).

Ziehst du an der Pinne, fällt dein Boot ab und es folgt eine Halse. Das heißt die Segel kommen auf die andere Seite herüber, da der Wind jetzt von der anderen Seite auf das Segel trifft.

Patenthalse – die ungewollte Halse

Fällt man ungewollt zu weit ab, kann es vorkommen, dass das Heck des Bootes zu weit durch den Wind geht und der Wind plötzlich auf die andere Seite der Segel trifft. Das hat zur Folge, dass Baum und Großsegel ungewollt und dadurch auch unkontrolliert auf die andere Seite schnellen. Das nennt man eine Patenhalse.

Auf einer kleinen Jolle mit wenig Wind kann das ein lustiges Versehen sein, das in einer Schwimmeinlage endet.

Bei mehr Wind und auf größeren Booten kann eine Patenthalse die Ursache von Kopfschmerzen oder Schlimmeren sein. Dein Rigg leidet durch das schnelle und aggressive Umschlagen des Segels und macht das Segeln unentspannt.

Patenhalse beim Segeln

Merke: Die Patenhalse ist der Grund, warum so viele Segler Angst vor dem Halsen haben. Brauchst du aber nicht zu haben. Eine Halse an sich ist eine sichere Angelegenheit. Wenn du erstmal weißt, wie es geht, dann passiert auch (normalerweise) nichts.

Gefahren abwenden

Um Patenthalsen zu vermeiden ist hohe Konzentration auf dem Boot gefragt.

Um sicherzustellen, dass keine Patenhalsen den Segelspaß verderben, solltest du etwas höher Richtung Wind segeln. Du segelst somit auf der Grenze zwischen Raumwind und Vorwind. Dein Großsegel ist offen und deine Fock bekommt auch noch etwas Wind ab oder du segelst Schmetterling.

Das gibt dir genug Spielraum auf Steuerfehler bzw. plötzliche Windreher zu reagieren.

Merke: Fällt die Fock in die Mitte und flattert nicht mehr zur Seite, steht eine Patenthalse bevor. Wehen teile des Großsegels plötzlich nach Luv, d.h. das Segel bekommt einen Gegenbauch im Vorliek (vordere Seite des Segels), dann ist es allerhöchste Zeit anzuluven (Pinne wegdrücken).

Du solltest den Kopf auf jeden Fall immer unterhalb des Baumes haben, um ungewollte Einschläge zu vermeiden.

Wie sollte das Schwert einer Jolle auf Vorwindkurs gefahren werden und warum?

Das ist Frage 282 im Sportbootführerschein Binnen. Die Antwort auf diese Frage lautet: „Es sollte aufgeholt werden. Dadurch vermindert sich der Reibungswiderstand, aber auch die Gefahr der Kenterung bei einer unfreiwilligen Halse.“

Warum ist das so? Auf Am Wind Kurs ist das Schwert ein Teil deines Lateralplanes (alle Schiffsteile unter Wasser) und verhindert das seitliche Abtreiben deines Bootes. Dies geschieht aufgrund des Lateralwiderstandes. Nur dies ermöglicht dir Höhe zu fahren und zu kreuzen. Ohne Schwert würde dir das ggf. etwas gelingen, jedoch hättest du soviel seitlichen Versatz, dass es keinen Spaß macht und du vielleicht auch nie in Luv ankommst.

Auf Vorwindkurs brauchst du diesen Laterwiderstand nicht. Dein Schwert kann also dreiviertel nach oben gezogen werden.

Bei einer ungewollten Halse (Patenthalse), kommt das Segel sehr schnell rüber und du wirst dich wahrscheinlich auch zu langsam auf die neue Luv-Seite bewegen. Dadurch kommt es zum Krängen (zur Schräglage) des Bootes. Ist dein Schwert 3/4 hoch gezogen, hat dein Boot die Möglichkeit seitlich „wegzurutschen“. Dadurch wird die Krängung vermindert und du kannst ggf. eine Kenterung vermeiden

Zusamenfassung Vorwindkurs

Der einzige Grund Vorwind zu segeln, ist auf kürzestem Wind nach Lee an das Ziel zu kommen. Das lohnt nur bei sehr schweren/langsamen Booten oder bei leichtem Wind. Das die Gefahr eine Patenthalse zu segeln besteht, sollte man sich bewusst sein.

  • Auf Vorwindkurs segelst du auf direktem Weg nach Lee, allerdings langsam
  • Von allen Kursen auf Vorwind: abfallen, Segel auf, Schwert anheben
  • Segel sind so weit wie möglich offen
  • Schwert 3/4 hoch
  • Schmetterling segeln (Großsegel in Lee, Fock in Luv)
  • Gefahr von ungewollten Patenthalsen
  • Ein sicherer Kurs vor Steuerfehlern und Winddrehen ist auf der Grenze zwischen Vorwind und Raumwind
  • Köpfe unterhalb des Baumes halten
Wie segel ich auf Vorwindkurs?

Sind dir einige Begriffe nicht bekannt, dann empfehle ich dir das Seglerlatein auf Segelplanet.de – Segelbegriffe für Anfänger auf Deutsch & Englisch einfach erklärt.

2 Gedanken zu „Vorwindkurs

  1. Andreas Schultz Antworten

    In der Zusammenfassung wird Schmetterlingsegeln mit Großsegel im Lee und Fock im Lee beschrieben. Im Text wird dagegen Schmetterlingsegeln mit Großsegel im Lee und Fock im Luv erklärt.

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