Segel setzen – Detailliert Schritt für Schritt

Segel setzen bedeutet, dass du mithilfe einer Leine, seemännisch Fall genannt, die Segel nach oben ziehst. Dabei kannst du für segel setzen auch „Segel hissen“ oder ganz un-seemännisch „Segel hochziehen“ sagen. Das Gegenteil von Segel setzen ist „Segel bergen“.

Hier bekommst du eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung, die diesen Vorgang erleichtert.

Diese Begriffe solltest du kennen

Das sind die wichtigsten Begriffe rund um das Segel setzen. Im Artikel über Segelbegriffe gibt weitere Fachwörter und ebenso habe ich ein Segelwörterbuch deutsch – englisch erstellt. Just in case.

KopfObere Ecke
HalsVordere untere Ecke
SchothornHintere untere Ecke
VorliekVorderseite
UnterliekUnterseite
AchterliekHinterseite
FallDie Leine zum Hochziehen

Welches Segel wird zuerst gesetzt?

Die Reihenfolge, in der du deine Segel setzt, ist nicht vorgeschrieben. Jedes Boot ist etwas anders. Typischerweise setzt man auf Booten ohne eine Ein-Rollvorrichtung das Großsegel zuerst und anschließend das Vorsegel.

Mehr Informationen, inklusive Ausnahmen, gibt es im Artikel „In welcher Reihenfolge die Segel setzen„.

Kommandos beim Segel Setzen

  1. „Klar zum Segelsetzen?“ – Alle auf Position – Antwort, wenn bereit: „Ist klar!“
  2. „Klar zum Setzen Groß?“ – Groß bereit legen usw. – Antwort, wenn bereit: „Ist klar!“
  3. „Klar bei Großfall“ – Kann es hochgezogen werden? – Antwort, wenn bereit: „Ist klar!“
  4. Es reicht wenn Boot jetzt erst in den Wind geht
  5. „Heiß auf Großsegel“ – am Fall ziehen, während Boot im Wind ist

Sind dir einige Begriffe nicht bekannt, dann empfehle ich dir das Seglerlatein auf Segelplanet.de – Segelbegriffe für Anfänger auf Deutsch & Englisch einfach erklärt.

Anleitung zum Segel setzen

Je nach Bootstyp sind ein paar wenige unterschiedliche Handgriffe durchzuführen. Dennoch bleibt der grobe Schritt-für-Schritt Ablauf immer gleich. Unterschiede bei Yachten, Jollen und Katamaranen werden weiter unten hervorgehoben. Und selbst jetzt kann es zu weiteren Unterschieden bei diversen Bootsklassen kommen.

Der typische Ablauf beim Segel setzen ist:

  1. Boot in den Wind stellen
  2. Dirk (falls vorhanden, bei Yachten) durchsetzen
  3. Großschot und Baumniederholer lösen
  4. Segelhals und Schothorn anschlagen
  5. Vorliek- / Unterliekstrecker lockern (falls notwendig)
  6. Kopf mit Fall verbinden / Segel anschlagen
  7. Segel in Nut einführen und hochziehen
  8. Segel durchsetzen
  9. Vorliek- / Unterliekstrecker anbauen / durchsetzen
  10. Dirk lockern (falls vorhanden)

Boot in den Wind stellen

Egal ob du dein Segel an Land auf der Jolle oder Katamaran, am Steg oder auf dem Wasser setzt:

Oberste Priorität ist es, das Boot im Wind zu halten. Das heißt, dass dein Bug möglichst konstant direkt in den Wind zeigt.

Jeder seitliche Einfluss vom Wind erzeugt gewöhnlich Probleme. Ja, es gibt Boote, die machen das mit, aber das ist eher die Ausnahme als die Regel.

Warum das Boot in den Wind stellen?

Dafür gibt es unterschiedliche Gründe.

  1. Druck im Segel
    Bläst Wind in dein Segel, wird der mittlere Teil weggedrückt und dadurch die obere Ecke (Segelkopf) und die untere Ecke (Segelhals) zusammengezogen. Du möchtest diese aber auseinander ziehen zum Segel setzen. Steht dein Boot nicht im Wind, musst du unnötig große Kräfte gegen die unweigerlich stärkere Kraft von Mutter Natur aufwenden. Diesen Kampf verlierst du.
  2. Verkantete Mastrutscher
    Dreht dein Segel seitlich beim Setzen, verkanten deine Mastrutscher bzw. die dicke Wulst am Segeltuch, welche du einführst, klemmt sich fest. Unter Umständen kannst du das mit etwas Teflon Spray verringern, dennoch stellst du dein Boot besser in den Wind.
  3. Vertüdeln mit Salingen oder Lazy Jacks
    Segellaten können dein Freund, aber beim Segel hissen auch dein Feind sein. Bleibt dein Segel nicht konstant in der Mitte beim Hochziehen, bleiben diese Latte häufig in den Lazy Jacks (eine Vorrichtung zum vereinfachten Bergen des Segels) oder sogar in den Salingen hängen. Größere Boote leiden davon deutlich mehr als kleine. Dort ist das Segel größer und es dauert länger das Manöver zu beenden. Somit gibt es mehr Chance sich zu verklemmen.

Wie das Boot in den Wind stellen?

Wenn du an Land bist, drehst du deinen Trailer in die richtige Windrichtung. Damit du dich nicht irrst und dir das Segel setzen erschwerst, empfehle ich dir meinen Artikel zum Bestimmen des wahren Windes.

Am Steg musst du dein Boot zuerst mit dem Paddel oder mithilfe einer Leine an eine Stelle bringen, wo du es freischwingend befestigen kannst. Dann dreht es, vorne am Bug festgemacht, immer in den Wind.

Gute Stellen sind Poller, eine andere Stelle am Steg oder eine nahe Boje. Auch wenn du hin und wieder in der Box Glück haben kannst, ist es meistens besser, dass Boot vorher herauszubewegen.

Ansonst gilt: Der Motor ist dein Freund. Mithilfe der Antriebsmaschine bewegst du dein Boot in ausreichend freien Platz und hältst es konstant, auch gerne unter Unterstützung des Autopiloten im Wind.

Dirk durchsetzen

Gibt es meist nur bei großen Booten. Jollen, Katamarane und kleine Kielboote haben das selten bis nie.

Die Dirk ist die Leine, die vom Masttop zum Ende deines Baums verläuft. Aufgabe der Dirk ist es den Baum oben zu halten, sodass dieser nicht auf das Deck oder Köpfe fällt.

Das Anziehen der Dirk, sodass das Ende vom Baum leicht nach oben steht, kann beim Segeleinführen helfen.

Großschot / Baumniederholer lösen

Damit der Baum frei steigen und schwingen kann, müssen Großschot und Baumniederholer, dieser auch bekannt als Kicker, Vang oder Gnav gelöst werden.

Den Großteil bekommst du dein Segel hoch, auch wenn du das vergisst. Jedoch wird es sehr schwer bis unmöglich das Segel durchzusetzen, wenn diese zwei Dinge nicht frei sind.

Löst du die Großschot nicht, bekommt dein Segel bei Winddrehern Druck, macht dir das Leben schwer oder segelt ungewollt los.

Segelhals / Schothorn anschlagen

Der Segelhals wird an einem Hacken / Bullhorn vorne am Lümmelbeschlag befestigt.

Das Schothorn ist durch eine Vorrichtung am Ende des Baums zu befestigen. Das sind meist Leinen oder eine Vorrichtung, die mit dem Unterliekstrecker verbunden sind. Bei vielen Booten muss das Unterliek (untere Seite des Segels) auch in eine Baumnut eingeführt werden.

Bei Jollen und Katamaranen kann dieser Schritt je nach Boot auch erst später erfolgen. Ebenso muss der Segelhals nicht immer zwingend eingehängt sein. Dieser kann durchaus nur durch eine Leine, in Verbindung mit dem Vorliekstrecker, befestigt sein.

Vorliek- / Unterliekstrecker lockern

Vorliekstrecker gibt es eher auf kleineren Booten, Jollen und Kats. Dort kannst du diesen auch später befestigen.

Auf Yachten wird die Vorliekspannung mithilfe des Großfalls eingestellt.

Der Unterliekstrecker sollte in diesem Fall gelockert werden, sonst wird das letzte Stück schwierig.

Segelkopf mit Fall verbinden / Segel anschlagen

Bei Yachten wird dies gewöhnlich mit Schäkeln erledigt. Achtung: Bolzen nicht fallen lassen. Meist sind die Schäkel dauerhaft angeschlagen.

Auf kleineren Booten geschieht dieser Schritt mit Schäkeln, einem kleinen Palstek, einer Kugel oder dem Knot-in-Knot Knoten. Mit letzteren 2 kann der Abstand vom Segelkopf zum Masttop bis auf einen sehr kleinen Abstand verringert werden, was mit einem Palstek nicht immer der Fall ist.

Segel in Nut einführen und hochziehen

Jetzt kommen wir zum eigentlichen Teil. Alles andere war bisher Vorgeplänkel.

Auf Kommando der steuernden Person „Heiss auf das Großssegel“ wird dieses nach oben befördert. Stehst du nicht gerade in einer SBF Prüfung, sagt der Normalsegler auch einfach: „Los geht’s!“.

Wichtig ist jedoch, dass das alles erst mit Absprache mit der steuernden Person geschieht und das Boot wirklich im Wind steht bzw. fährt. An der Boje oder Steg macht es das von alleine

Bei Yachten wird das Fall direkt am Mast gezogen oder über eine Winsch im Cockpit gelegt. Wer elektrische Winschen hat, ist klar im Vorteil.

Ziehst du das Segel am Mast hoch, geht das so lange gut, bis Spannung drauf kommt. Ab hier empfehle ich dir einen kleinen Trick:

Das Fall nicht mehr nach unten ziehen, sondern einmal halb um die Klampe führen (oder um eine Winsch – das endlose Kurbeln kann so verkürzt werden) und anschließend das Fall vom Mast wegziehen. Nutze einen Fuß, um dich vom Mast wegzudrücken. Während du das Fall wieder Richtung Mast führst, zieht es jemand oder du selbst über die Klampe / Winsch weiter und du führst es weiter runter. Der Rest wird bei großen Segeln gewinscht, bei kleinen Booten ist das Segel gut durchgesetzt.

Bei Jollen und Katamaranen empfehle ich dir das Segel in die Nut zu führen. Eine Hand zieht das Segel vor, die andere führt es ein.

Ist dein Segel durchgelattet, hat sich die „Betenden Hände“ Position bewährt. In Betposition ziehst du das Segel nach vorn und schiebst es aktiv in die Nut und hoch. Auf Höhe der Segellatten bestehen die meisten Schwierigkeiten.

Segel durchsetzen

Auf Jollen und Katamaranen hast du etwas mehr Spielraum und kannst z. B. für Regatten das Segel durch die Spannung im Vorliek trimmen.

Beim Alltagssegeln auf großen und kleinen Booten achtest du darauf, dass dein Segel keine Querfalten (zu wenig Segelspannung) und keine Längsfalten (zu viel Spannung) hat und du liegst gut genug.

Vorliek- / Unterliekstrecker anbauen / durchsetzen

Falls nicht bereits befestigt baust du Unterliek- und Vorliekstrecker an und ziehst sie in die passende Position.

Dirk lockern (falls vorhanden)

Hat dein Boot eine Dirk, ist nun die Zeit gekommen, diese etwas zu lockern. Da die Dirk dein Baum hochhält, verhindert dies gleichzeitig, dass deine Großschot/Baumniederholer deinen Baum runtern ziehen kann. Daraus folgt, dass du dein Segel nicht richtig trimmen kannst.

Die Dirk soll lose hängen, wenn dein Großsegel dicht ist, aber nicht zu locker. Vermeide, dass sie sich ggf. mit etwas verfangen kann oder um die Köpfe im Cockpit schwebt.

Fehlerquellen / Problemlösung beim Segel setzen

Das Segel geht nur sehr schwer hoch!

  • Steht dein Boot im Wind?
  • Teflon Spray in der Mast Nut (engl. mast track) hilft
  • Ist die Umlenkrolle im Masttop noch in Ordnung?
  • Sind Reffleinen angebaut und lose?
  • Bist du stark genug?

Segel geht beim letzten Stück sehr schwer!

  • Großschot lose?
  • Vorliekstrecker lose?
  • Unterliekstrecker lose?
  • Ist dein Fall um den Mast oder etwas anderes geführt?
  • Hängt etwas am Segel, dass dein Segel nach unten zieht? (z. B. Trapezgummi)

Segel quietscht beim Hochziehen

  • Teflon Spray hilft

Großsegel setzen ohne Motor

Liegt dein Boot am Steg oder an der Boje im Wind, oder du hast einen Motor, der es in den Wind hält, erfüllst du die wichtigste Voraussetzung. Manchmal jedoch möchte oder muss man das Großsegel ohne Motorkraft auf dem Wasser setzen.

Was nun? Wie bleibt das Boot im Wind?

Voraussetzung ist, dass es ausreichend freien Platz gibt, um dieses Manöver durchzuführen und dass deine Fock bereits einsatzfähig ist.

  • Boot ausrichten (Großfallführung auf Luv Seite, somit obere Seite bei Krängung; wenn im Cockpit, dann egal)
  • Ziehe die Fock dicht
  • gehe so hoch wie möglich an den Wind (unter Fock) und halte Fahrt
  • beginne das Segel setzen
  • Wenn nicht ganz oben, nutze Groß und Fock um in Wind zu kommen, dann Groß nachsetzen (immer voraus Fahrt beibehalten)
  • fertig

Kurze Zusammenfassung Segel setzen

  1. Boot in den Wind
  2. Baumniederholer lose
  3. Großschot lose
  4. Großsegel anbringen und hochziehen
  5. ggf. Dirk lösen
  6. Kontrolleinen anbringen (Unterliek-, Vorliekstrecker)
  7. Groß dicht und los

Sind dir einige Begriffe nicht bekannt, dann empfehle ich dir das Seglerlatein auf Segelplanet.de – Segelbegriffe für Anfänger auf Deutsch & Englisch einfach erklärt.

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