Was ist eine Q Wende beim Segeln

Eine Q Wende ist ein Manöver, dass häufig mit dem Mann-Über-Bord (MOB) in Verbindung gebracht und von Raumwind zu Raumwindkurs gefahren wird. Im Vergleich dazu wird eine klassische Wende typischerweise von (Hoch) Am Wind zu (Hoch) Am Wind gesegelt.

Die Q Wende ist eine Wende mit vergrößertem Wendekreis und dient als Ersatzmanöver einer Halse. Während beim Halsen das Heck durch den Wind dreht, kommt das Segel bei einer Q Wende auf die neue Seite, indem der Bug durch den Wind geht.

Den Namen Q Wende bekommt dieses Manöver aufgrund des nach dem Buchstaben Q förmigen Kurses. Im Englischen wird eine Q Wende übrigens „Granny Tack“ (Oma Wende) bezeichnet.

Q-Wende beim Segeln

Das Problem mit der Halse

Sofern du die korrekten Abläufe der Halse aus meinem Blogpost verfolgst, stellt das Halsen im Normalfall kein Problem dar.

Da jedoch das Heck bei einer Halse durch den Wind geht und das Segel mit Schwung auf die neue Seite schnellt, können sich Crews bei schlechter Vorbereitung überraschen lassen und ungewollt halsen. Das wird dann Patenthalse bezeichnet. Dabei kommt der Großbaum unerwartet mit großem Schwung auf die neue Seite und bedeutet eine Gefahr für die Crew und das Boot dar.

Risiken einer Patenthalse treten besonders bei starkem Wind auf und sind Ursachen für Verletzungen bei unachtsamen und unerfahrenen Crews sowie Skippern. Der Großbaum kann beim Überkommen Personen hart treffen, über Bord werfen und durch den Schwung und das Aufschlagen das Rig gefährden.

Diese Gefahren können durch die Q Wende, einer lang gefahrenen Wende, ist diese auch etwas länger und umständlicher, vermieden.

Vorteile Q Wende

Die Vorteile einer Q Wende gegenüber einer Halse sind:

  • Unerfahrene Crews können die Q Wende mit wenig Erklärung sicher durchführen
  • Großbaum kommt kontrollierter auf die neue Seite
  • Kann auch noch bei viel Wind sicher gesegelt werden

Nachteile der Q Wende

Nachteile sind:

  • sehr arbeitsintensiv – Segelstellung muss durch dichtholen und fieren der Segel während des Manövers konstant angepasst werden
  • Benötigt viel Raum – da von Raumwind zu Raumwind gefahren, entsteht ein großer Wendekreis
  • Zeitintensiv – großer Wendekreis bedeutet auch, dass es länger dauert. Das ist abhängig vom Boot und dessen Drehfreudigkeit, jedoch länger als eine Halse.

Ablauf Q wende

Hier ist der Ablauf einer Q-Wende aus dem Raumwindkurs hin zum neuen Raumwindkurs mit deinen Segeln auf der anderen Seite. Denn das ist die übliche Verfahrensweise. Du willst ja die Halse verhindern, oder?

  1. Raumwindkurs segeln
  2. Anluven und Segel dichtholen bis du auf Hoch am Wind segelst
  3. Wende fahren; das Segel kommt auf die neue Seite; Bug geht durch den Wind
  4. Abfallen und Segel fieren bis du wieder auf Raumwindkurs bist

Im Vergleich eine Halse würde folgend aussehen

  1. Raumwindkurs segeln
  2. Weiter abfallen und Halsen; Heck geht durch den Wind
  3. Neuen Raumwindkurs segeln

Eine Halse ist die schneller und direktere Variante, hat jedoch die oben beschriebenen Nachteile.

Kommandos Q Wende

Da du meist mit Crew segelst, ist es von Vorteil klare Anweisungen zugeben und die richtige Kommunikation zu haben. Hier helfen deutliche Kommandos, die jeder versteht und nach den man sich richten kann.

Dabei gilt wie immer: Kommandos heißt nicht herumbrüllen, sondern klare, eindeutige Ansagen machen.

Für unerfahrene Crews kann man die Kommandos einzeln und sehr detailliert aufschlüsseln, wie unten beschrieben, durchführen. Geübtere Crews werden sich mit der folgenden Kurzform zurechtfinden:

Kommandos Q Wende für erfahrene Crew

  1. Steuermann: Alles Klar zur Q Wende?
  2. Antwort: Ist Klar!
  3. Steuermann: Ree! Schoten mitführen!
  4. Steuermann: Über die Segel!
  5. Steuermann: Neuer Kurs: Raumwindkurs – Fier auf Segel
  6. Steuermann: Raumwindkurs liegt an.

Hier kurz erklärt welches Kommando, welche Bedeutung hat.

  1. Das Boot wird informiert, dass anstatt einer Halse eine Q Wende gefahren wird
  2. Die Crew hat die Positionen besetzt und weiß was zu tun ist.
  3. Ree gibt an, dass Ruder gelegt wurde und das Boot anfängt sich zu drehen. Schoten mit führen, gibt der Crew den Hinweis, dass kein weiteres Kommando kommt, bis die Wende eingeleitet wird. Selbständig holt die Crew die Schoten dichter, während das Boot weiter Richtung Wind dreht. Tut der Vorschoter das nicht, verliert das Boot zu viel Vortrieb und kann in der Wende im Wind stehen bleiben.
  4. Erfahrene Crew weiß, wann die Segel herübergehen sollten und benötigen dieses Kommando nicht. Für alle anderen ist es die Ansage, dass die Fock nun aus der ggf. Backstellung auf die neue Seite gezogen werden darf und das Großsegel über geht.
  5. Der neue Kurs wird angewiesen – hier Raumwindkurs; Segel sollen gefiert (rausgelassen) werden
  6. Der gewollte Kurs ist erreicht, die Crew kann das Segel nun passend und effizient einstellen

Q-Wende Kommandos für unerfahrene Crew

Beschrieben werden hier die Kommandos der Q Wende aus dem Raumwind heraus in den Raumwindkurs. Detailliert kannst du diese Schritte auch im Artikel über den Manöverkreis lesen. In diesem werden die Schritte von jeden Kurs in den nächsten genau erläutert.

  1. Steuermann: Hol an die Schoten für Halbwindkurs! Boot wird angeluvt, Crew zieht Schoten dichter
  2. Steuermann: Halbwindkurs liegt an
  3. Steuermann: Hol an die Schoten für Am Wind Kurs Boot wird angeluvt und Schoten dichter
  4. Steuermann: Am Wind Kurs liegt an
  5. Steuermann: Alles Klar zur Wende?!
  6. Antwort: Ist Klar!
  7. Ree!
  8. Über die Segel!
  9. Steuermann: Fier auf die Schoten auf Halbwindkurs! Abfallen und Schoten fieren
  10. Steuermann: Halbwindkurs liegt an
  11. Steuermann: Fier auf die Schoten auf Raumwindkurs!Abfallen und Schoten fieren
  12. Steuermann: Raumwindkurs liegt an.

Dieser Ablauf ist deutlich länger und unnötig. Nach kurzer Einweisung und etwas Erfahrung kann man sich die Zwischenschritte sparen und direkt wie oben beschrieben die Q Wende durchführen.

Weiterführender Nutzen der Q Wende

Die Q Wende ist nicht nur ein nützliches Ersatzmanöver für die Halse, sondern wird meistens mit dem Mann-über-Bord (MOB) Rettungsmanöver beim Segeln in Verbindung gebracht. Dieses Manöver ist nicht nur prüfungsrelevant für Segelgrundscheine bzw. weiterführende Scheine wie den SBF oder SKS, sondern sollte von jedem Segler auch für den Ernstfall beherrscht werden.

Hast du einige Segelbegriffe in diesem Beitrag nicht verstanden? Kein Problem. Schau doch mal hier im Seglerlatein herein. Dort findest du die wichtigsten Begriffe zum Segeln einfach und verständlich erklärt.

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