10 Anfänger Tipps beim Regattasegeln

Regattasegeln kann am Anfang richtig stressig sein. Viele Boote auf einem engen Raum kämpfen für die beste Position und freien Wind. Aus diesem Grund werden Regattewettfahrten besonders von Segelneulingen gemieden. Das muss aber gar nicht sein, denn Regattasegeln kann Spaß machen und man lernt unglaublich viel, allein durch die Teilnahme, dazu. Am Anfang wirst du vielleicht wiederholt letzter. Das darf dich aber nicht davon abhalten weiter zusegeln. Jede Wettfahrt verbessert deine Segelfähigkeiten und Schritt für Schritt arbeitest du dich in den Resultaten nach oben.

Damit du dir das Regattasegeln am Anfang etwas einfacher machen kannst, habe ich dir 10 simple Tipps zusammengefasst, die den Stress bei dir und deiner Crew verringern kann. Meine Favoriten sind Nummer 9 und 10!

Kenne die Vorfahrtsregeln

Von den Kollisionsverhütungsregeln hast du ggf. schon einmal was gehört. Damals fandest du das kompliziert und langweilig, jetzt ist es allerdings an der Zeit die graue Theorie in die Realität umzusetzen.

Beim Regattasegeln kannst du dich stundenlang über die kleinsten Detailregeln unterhalten. Wenn du diese verstehst und anwenden kannst, ist das super und du hast damit klar einen Vorteil.

Als Neuling im Regattasport beim Segeln musst du nicht alles wissen. Jedoch gibt es 4 grundlegende Ausweichregeln, die du beherrschen musst. Diese sind:

  • Wind von Backbord weicht Wind von Steuerbord, auch bekannt als Backbordbug vor Steuerbordbug oder Segel links Vorfahrt bringt’s.
  • Luv weicht Lee oder Lee vor Luv
  • Überholer hält sich frei 
  • Raum an der Bahnmarke (wer innen an der Bahnmarke ist, hat Vorrang)
Regattasegeln: Backbordbug vor Steuerbordbug

Regattasegeln: Luv weicht Lee

Regattasegeln: Überholer hält sich frei

Regattasegeln: Raum an der Bahnmarke

Ja, es gibt noch so viel mehr zu wissen. Und ja das ist alles vereinfacht. Jedoch als Neuling auf der Bahn kommst du damit 80 % der Zeit hin. Solltest du dir nicht sicher sein, kannst du mehr in meinem Artikel zu den Vorfahrtsregeln beim Segeln erfahren

Kenne den Startablauf

Mit etwas mehr Routine wird der Start zur Gewohnheit und selbst unerwartete Dinge können schnell aufgenommen werden. Besonders als Neuling solltest du dir aber vorher klarmachen, wie der Start bei der Regatta abläuft. Darunter gehört zu wissen 

  • Wie lang ist der Startcountdown?
  • Was ist deine Startflagge?
  • Wo ist der Kurs?
  • Was sind typische Tonsignale, die du vom Startboot erwarten kannst?

Jede Regatta ist irgendwie gleich, dennoch kann jedes Startkomitee Kleinigkeiten verändern. Deshalb: gehe immer zur Steuermannsbesprechung und lies die notwendigen Dokumente, damit du nicht bereits vor dem Start scheiterst.

Bleibe immer in der Nähe der Startlinie (Pünktlichkeit lohnt sich)

Wer in der Nähe der Startlinie ist, kann auch hören und sehen was auf dem Startboot passiert. Werden spezielle Flaggen angezeigt? Welches Signal wurde soeben gegeben? Außerdem kann es besonders bei sehr schwankendem Wind dazu kommen, dass dein Timing zur Startlinie einfach falsch ist. 

Als Beispiel gehen wir von einem 3 Minuten Start aus. Um pünktlich auf der Startlinie zu sein, könnte man auf Halbwind ca. 1.15 Minuten von der Startlinie weg segeln, wenden und wieder zurück. Dann würdest du für die Wende und den Start 0.30 Minuten Zeit haben, um dich zu platzieren (3 Minuten – 2x 1.15 Minuten).

Bei konstantem Wind wäre es machbar, jedoch wenn der Wind plötzlich viel schwächer wird, dann kommt deine Berechnung nicht mehr hin. Plötzlich benötigst du anstelle 1.15 Minuten ganz 2.00 Minuten für die gleiche Distanz. Das wäre natürlich nicht so schön und schon gar nicht effizient. Du würdest zu spät auf der Startlinie sein.

Das Gleiche gilt übrigens, wenn du nach Lee segelst. Nach Lee bist du immer schneller als nach Luv. Deshalb immer schön in der unmittelbaren Nähe und Höhe der Startlinie bleiben.

Mache eine Peilung auf der Startlinie

Unter guten Regattaseglern sieht eine Verteilung auf der Startlinie in etwa so aus.

Regatta Tipps am Start

Und so sieht es aus, wenn Neulinge mit auf der Bahn sind.

Regattasegeln: Start


Was ist der Unterschied? Die Profis haben bereits vor dem Start getestet, wo die Startlinie genau ist und sie wissen genau wann sie auf dieser sind.

An dieser Stelle scheitern Neulinge oft, denn sie glauben, dass sie auf der Startlinie sind, obwohl sie noch weit in Lee hängen. Du kannst nur genau wissen und beobachten, dass du direkt auf der Startlinie bist, wenn du eine Peilung machst. Am besten dann auch in beide Richtungen.

Hierzu segelst du rechts vom Startboot und machst eine Peilung über das Startboot und das andere Ende der Startlinie und etwas an Land.

Peilung Startline von links

Die zweite Peilung ist auf der anderen Seite der Startlinie. Das Pin-End, das Startboot und etwas direkt hinter den beiden Marken bilden diese Peilung.

Peilung Startline von rechts

Wenn du jetzt auf der Startlinie bist, kannst du entweder nach links oder rechts die Peilung zu deinem Vorteil nutzen und weißt genau, ob du vor, hinter oder auf der Startlinie bist.

Regattasegeln: Peilung auf der Startlinie

Orientiere dich beim Start an besseren Seglern

Als Neuling ist man am Anfang natürlich sehr überfordert. Die meisten machen einen großen Bogen, um alles was an der Startlinie passiert. Das ist verständlich, muss aber nicht sein.

Such dir jemanden heraus, der scheinbar Ahnung hat von dem was er oder sie macht. Orientiere dich daran und bleibe in der Nähe dieses Bootes. Achte jedoch darauf, dass du nicht in irgendwelche Positionskämpfe an der Startlinie kommst. Egal was passiert, die Ausweichregeln müssen beachtet werden.

Segel dein eigenes Rennen

Nachdem das Rennen gestartet ist, musst du dich besonders als Anfänger im Regattasegeln komplett auf dich konzentrieren. Das bedeutet, du konzentrierst dich allein auf deine richtige Segelstellung, dass du den richtigen Kurs hoch am Wind segelst und dass du in keine Kollisionen verwickelt wirst.

Machst du allein das, dann solltest du deine erste Regatta mit Leichtigkeit überstehen. Stück für Stück kommt mehr Erfahrung dazu und du kannst deine Entscheidungen dann an die Gegebenheiten außerhalb deines Bootes anpassen. Segelst du nicht allein, dann ist dein Vorschoter nicht nur Passagier und Tourist, sondern eine wichtige Hilfe beim Segeltrimm und Ausschau halten.

Verstehe deine Tell Tales

Damit du weißt, ob deine Segel richtig getrimmt sind, musst du dich damit etwas auskennen. Normalerweise befinden sich kleine Fäden aus Baumwolle oder anderem Material in der Fock (je in Luv und Lee) und am Achterliek (dem hinteren Ende) des Großsegels. Diese Fäden sagen dir immer die Wahrheit und zeigen an, ob du dein Segel richtig eingestellt hast.  Allgemein gilt:

  • Bewege die Pinne in die Richtung, auf der der Faden nach oben fliegt oder
  • Bewege das Segel in die Richtung, auf der der Faden nach oben fliegt.

Zwei unterschiedliche Herangehensweisen mit dem gleichen Ziel. Strömung am Segel erzeugen und somit effektives Vorankommen.

Schau was andere machen

In Tipp 6 habe ich dir empfohlen dein eigenes Rennen zu segel. Das bleibt auch weiterhin wichtig. Jedoch hast du dein Boot unter Kontrolle und segelst relativ effizient Höhe und in den Raum, dann schau dir an, was alle andere vor dir machen. Die sind ja nicht ohne Grund vor dir. Diese Boote segeln mit Sicherheit etwas besser als deins. Mit einem aufmerksamen Auge findest du vielleicht heraus

  • welche Seite der Regattabahn schneller ist
  • wann es zu Böen und Winddrehern kommt
  • wie man sich strategisch besser verhalten kann
  • am Start: Wo ist die beste Startposition?
  • am Start: Was ist die beste Startstrategie?

Nutze diese Möglichkeit etwas Neues dazuzulernen und dich zu verbessern.

Gute Kommunikation

Segelst du nicht allein, dann ist gute Kommunikation alles. Selbst wenn du die Wettfahrt nicht zu ernst nimmst, gehört das dazu.

Unter guter Kommunikation zählt, dass einer das Sagen hat und die anderen beratend zur Seite stehen. Die kontinuierliche Kontrolle wo andere Boote sind und wo diese sich hinbewegen und das Weitergeben dieser Informationen ist wichtig.

Siehst du ein Boot voraus, dann sage das genau so. Jedoch kann es schnell zu Missverständnissen kommen. Also nicht nur „Siehst du das Boot?“ sagen, sondern „Boot voraus, leicht backbord von uns. Siehst du das?“. Nur so können sinnlose Kenterungen bzw. Kollisionen vermieden werden. Mag die Steuerperson noch so erfahren sein, ohne gute Absprachen geht es nicht!

Genauso ist es schlecht jedes Manöver zwar anzusagen, dann aber nur zu hoffen, dass der andere das schon schnallt. Mit Kommandos solltest du stets auf Antwort der Crew warten, sodass du weißt, dass alle bereit sind. Je mehr man miteinander segelt, desto zügiger geht alles vonstatten, trotzdem muss z.B. eine Wende angesagt werden. Je mehr Mannschaft an z. B. einer Wende teilnimmt (z. B. größere Kielboote), desto wichtiger werden klare Ansagen. 

Aber bitte: Kommunikation und Kommandos heißt nicht brüllen. Kommunikation heißt klare Ansagen machen. Das passiert manchmal lauter in einer Regatta, aber selbst dann kann man noch lächeln und sich nicht zum Arsch machen. Wir wollen ja alle Tipp 10 befolgen.

Hab Spaß

Super wichtig ist es am Regattasegeln Spaß zu haben. Welchen Grund du auch hattest an einer Regatta teilzunehmen, nehme es nicht ernster als nötig.

Ja, du musst die Regeln befolgen. Ja, du musst möglichst effektiv um den Kurs segeln. Aber nein, du musst nicht schreien oder dich mit anderen, schon gar nicht mit deinen Mitseglern, anfeinden. Der Start ist gewöhnlicherweise der Teil mit dem meisten Stress. Den Rest der Regatta genießt du bitte mit einem Lächeln. Regattasegeln ist eine großartige Möglichkeit dein Segeln zu verbessern, da du bei anderen ‘abschauen’ kannst und so ganz schnell viel hinzulernen kannst.

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